„Wem gehört die Straße?“ – eine berechtigte Frage

Wem gehört die Straße?

so titelt das Magazin fairkehr des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in seiner aktuellen Ausgabe (4/2013). In weiten Teilen der Welt ist es selbstverständlich, sich auf der Straße aufzuhalten, miteinander zu verkehren (daher übrigens der Begriff Verkehr), ohne jedoch von A nach B kommen zu wollen – das Verweilen steht im Vordergrund. Vor dem Siegeszug des Automobils war das überall so. „Wie Autos die Straße in den vergangenen 100 Jahren nach und nach besetzten“, verdeutlicht sehr ausführlich der erste Beitrag „Lebensort – oder Anlass zur Flucht?“ im o.g. Titel.

von der menschengerechten Stadt zur autogerechten und wieder zurück

Die Alleinherrschaft des Automobils hat jedoch ihren Zenit erreicht. Stattdessen machen Radfahrer – zunächst auf Radwegen, mittlerweile auf der Straße – deutlich, dass sie Teil des Verkehrs sind. Und zwar nicht nur während einer monatlichen Critical Mass, wie z.B. mit mittlerweile über 3.000 Radlern in Hamburg, sondern vor allem im Alltag. Das wiederum veranlasst zu Investitionen. Vielerorts sprießen Radverleihsysteme aus dem Boden (z.B. CitiBike in New York City). Bürgermeister fahren Rad und reden darüber, und sie geben, wie in London, Rekordsummen für Radverkehrsinfrastruktur aus, oder sperren, wie in Rom, Straßen für Autos. So bleibt es nicht aus, dass das Leben in der Stadt sich verändert. Die Aufenthaltsqualität steigt mit jedem Fußgänger und mit jedem Radfahrer. Die Gastronomie- und Einzelhandelsumsätze im Quartier steigen. Und die Menschen auf der Straße kommen miteinander ins Gespräch; sie verkehren wieder miteinander. Manche wollen aber nicht warten, bis alle anderen von selbst folgen, und starten eigene Aktionen, wie den PARK(ing) Day, der das erste Mal 2005 in San Francisco statt fand (dies ist übrigens auch die Geburtsstadt der Critical Mass). Der PARK(ing) Day findet dieses Jahr u.a. in Berlin und in Leipzig statt. René, ein Kollege aus Österreich (wo es übrigens einen sehr aktiven Verein namens fairkehr gibt), fasst also folgerichtig zusammen: „von der menschengerechten Stadt zur autogerechten und wieder zurück“.

Tag des guten Lebens

Auch in Köln hat die Initiative wielebenwir in 2012 einen solchen Tag organisiert und dabei Parkplätze in kleine Parks verwandelt. In der Autostadt am Rhein scheint das aber wohl ein wenig untergegangen zu sein oder die Macher wollten noch mehr erreichen. Irgendwann stand dann der Plan im Raum, ganz Köln autofrei zu machen – für einen Tag zumindest. Davon musste das Orga-Team, dem heute 85 Initiativen, Vereine und Unternehmen angehören, sich schnell wieder verabschieden. Man konnte sich jedoch schließlich auf einen Stadtteil einigen. Und so fand am vergangenen Sonntag, 15. September 2013, der 1. Tag des guten Lebens in Köln-Ehrenfeld statt. Marcel, einer der Organisatoren, den man am Sonntag permanent auf einem Lastenrad sehen konnte – meist mit Getränken und Schnittchen für die zahlreichen Helfer -, hat auf Köln kann nachhaltig alle Infos dazu zusammengefasst.

Lebenswertes Ruhrgebiet

Und auch in Bochum fand am Sonntag etwas ganz ähnliches, jedoch in deutlich kleinerem Maßstab, statt. In einer kleinen Seitenstraße südlich des Hauptbahnhofes und östlich des Bochumer Ehrenfeldes feierten die Anwohner bereits zum 5. Mal das Alsenstraßenfest. Und auch in Dortmund findet in Kürze, am 21. September das 3. ADLER*STERN –Strassenfest statt – Organisatoren sind die Neue Kolonie West und der Dortmunder Kunstverein. Es gibt es viele ähnliche Veranstaltungen, wo nicht der Kommerz mit auswärtigen Attraktionen, Ramschbuden und Gastronomieangeboten im Vordergrund steht, sondern die Entwicklung lebenswerter Straßen und Quartiere. Genau hier setzt der im August 2013 gegründete „Arbeitskreis Lebenswertes Ruhrgebiet“ an: er hat sich zum Ziel gesetzt, eben diese Aktionen zu sammeln, vorzustellen und unzählige weitere zu initiieren.

Wem gehört nun die Straße? Sie gehört all jenen, die sie benutzen. Sie gehört Dir und mir. Lasst uns also die Straße zurückerobern!

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